Schiefe Zähne bei Kindern behandeln

Schiefe Zähne bei Kindern: Was ist normal und wann sollte man handeln?

Die neuen Schneidezähne stehen schief oder zwischen ihnen zeigt sich plötzlich eine Lücke. Viele Eltern fragen sich dann, ob schiefe Zähne bei Kindern zum Zahnwechsel gehören. Häufig sind solche Veränderungen vorübergehend. Entscheidend sind das Alter und der Stand des Zahnwechsels. Auch Biss und Funktion zählen. Dieser Ratgeber für Eltern erklärt, wann Beobachten sinnvoll ist und welche Anzeichen für eine kieferorthopädische Abklärung sprechen. So können Sie den nächsten Schritt ruhig und gut vorbereitet wählen.

Schiefe Zähne bei Kindern: Was im Zahnwechsel noch normal sein kann

Beim Zahnwechsel entsteht für einige Jahre ein gemischtes Gebiss aus Milchzähnen und bleibenden Zähnen. Die ersten bleibenden Schneidezähne sind meist breiter als ihre Vorgänger. Zudem brechen sie nicht immer gleichzeitig oder sofort in ihrer späteren Position durch. Dadurch können die Frontzähne vorübergehend gedreht oder unregelmäßig wirken.

Auch das Wachstum des Kiefers läuft weiter. Die sichtbare Zahnstellung ist in dieser Phase nur eine Momentaufnahme. Leichte Engstände der unteren Schneidezähne können sich im weiteren Zahnwechsel verändern. Wie sich ein Engstand weiterentwickelt, lässt sich am einzelnen Kind nur nach einer Untersuchung einordnen.

Lücken zwischen Milchzähnen können ebenfalls zur normalen Entwicklung gehören. Sie bieten den größeren bleibenden Zähnen zusätzlichen Platz. Eine Lücke oder ein schiefer Zahn allein bedeutet daher noch nicht automatisch, dass eine Behandlung nötig ist. Eine Untersuchung kann zeigen, ob sich die weitere Entwicklung zunächst beobachten lässt.

Warum Kinderzähne schief stehen

Die Größe der Zähne kann im Verhältnis zum verfügbaren Platz im Kiefer eine Rolle spielen. Auch die erbliche Form der Kiefer und ihr Wachstum beeinflussen die Zahnstellung. Manche Zähne folgen zudem einem ungewöhnlichen Weg beim Durchbruch. Früh verlorene Milchzähne, z. B. nach Karies oder einem Unfall, können die Platzverhältnisse verändern. Nachbarzähne bewegen sich unter Umständen in die entstandene Lücke. Für den bleibenden Zahn bleibt dann weniger Raum.

Weitere mögliche Gründe sind fehlende oder zusätzliche Zähne. Auch ungünstige Gewohnheiten wie langes Daumenlutschen können den Biss beeinflussen. Welche Ursache im Einzelfall wichtig ist, zeigt die Untersuchung von Zähnen und Kiefer.

Zahnlücke zwischen den Schneidezähnen

Eine Zahnlücke zwischen den oberen Schneidezähnen heißt medizinisch mittleres Diastema. Sie kommt im Wechselgebiss häufig vor. Die Lücke kann kleiner werden, wenn weitere Frontzähne und später die bleibenden Eckzähne durchbrechen. Oft schließen sich Zahnlücken auf diesem Weg von selbst.

Bei einer anhaltenden oder sehr auffälligen Zahnlücke können die Zahnform und die Durchbruchsrichtung als Ursachen infrage kommen. Auch ein fehlender oder zusätzlicher Zahn kann beteiligt sein. Die Form des Lippenbändchens wird ebenfalls beurteilt und erklärt den Befund nur in einem Teil der Fälle.

In unserer Praxis können wir die Ursache klären und das Vorgehen anhängig von Zahnwechsel und Befund anpassen, um Zahnlücken zu schließen. Vor einer rein ästhetisch motivierten Korrektur sollten die Ursache und die weitere Gebissentwicklung beurteilt werden. Eine gezielte Untersuchung zeigt, ob Beobachten genügt oder eine Behandlung später sinnvoll wird.

Was Eltern tun sollten und was nicht

Eltern können die Entwicklung der Zähne aufmerksam begleiten und gute Voraussetzungen für die Mundgesundheit schaffen. Schiefe Zähne lassen sich zu Hause jedoch nicht selbst korrigieren. Eine gezielte Korrektur gehört deshalb in kieferorthopädische Hände.

Achten Sie auf anhaltende Sauggewohnheiten wie Daumenlutschen oder eine intensive Schnullernutzung. Ein ruhiges und schrittweises Vorgehen kann Ihrem Kind das Abgewöhnen erleichtern. Druck und Schuldzuweisungen erschweren den Abschied oft. Beim Schnuller kommt es vor allem auf die Häufigkeit und die Dauer der Nutzung an.

Beobachten Sie außerdem die Atmung Ihres Kindes. Häufige Mundatmung, regelmäßiges Schnarchen oder ein dauerhaft geöffneter Mund im Schlaf sollten medizinisch abgeklärt werden. Mögliche Ansprechpartner sind die Kinderarztpraxis und die Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Auch der Zahnarzt kann erste Auffälligkeiten erkennen.

Manche Kinder drücken die Zunge beim Schlucken gegen die Zähne. Andere zeigen Auffälligkeiten beim Sprechen oder beim Mundschluss. In solchen Fällen kann eine fachliche Beurteilung sinnvoll sein. Logopädische oder myofunktionelle Übungen sollten individuell empfohlen und professionell angeleitet werden. Zu Hause können Eltern die vorgegebenen Übungen begleiten, aber eine kieferorthopädische Korrektur kann so nicht ersetzt werden.

Eine gründliche Zahnpflege schützt Milchzähne als Platzhalter für die bleibenden Zähne und damit auch die Platzverhältnisse im Gebiss. Putzen Sie deshalb zweimal täglich mit einer altersgerechten fluoridhaltigen Zahnpasta. Regelmäßige Zahnarzttermine helfen dabei, Karies und einen vorzeitigen Milchzahnverlust zu vermeiden.

Es ist hilfreich, wenn Eltern den Zusammenbiss ihres Kindes zu Hause, sichtbare Veränderungen und mögliche Schwierigkeiten beim Kauen beobachten. Auch Mundatmung oder fortbestehende Sauggewohnheiten sollten beim nächsten Kontrolltermin angesprochen werden.

Trägt Ihr Kind bereits eine Zahnspange, sind die vereinbarten Tragezeiten und eine sorgfältige Reinigung wichtig. Halten Sie sich dabei an die persönlichen Hinweise der behandelnden Praxis.

Welche Rolle der Schnuller spielt

Saugen beruhigt viele kleine Kinder und gehört in den ersten Lebensjahren zur normalen Entwicklung. Ein häufig genutzter Schnuller steht bei langer Dauer mit Veränderungen an Zähnen und Kiefer wie z. B. einem offenen Biss oder einem seitlichen Kreuzbiss in Zusammenhang (Karin M. Schmid et al., 2018). Beim offenen Biss treffen die vorderen Zähne beim Zubeißen nicht aufeinander.

Für die Wirkung zählen Häufigkeit und Dauer der Gewohnheit. Auch intensives Daumenlutschen kann die Entwicklung beeinflussen. Als Orientierung wird oft empfohlen, solche Sauggewohnheiten bis zum dritten Geburtstag zu beenden.

Nach dem Abgewöhnen kann sich die Zahnstellung noch verändern. Das Ausmaß hängt von der Entwicklung und der Stärke der Zahnfehlstellung ab. Bleibt ein offener Biss bestehen oder fällt das Kauen schwer, ist eine frühe Abklärung sinnvoll. Ein ruhiges und schrittweises Vorgehen kann vielen Kindern das Abgewöhnen erleichtern.

Wann stark schiefe Zähne früh abgeklärt werden sollten

Wirken die Zähne eines Kindes extrem schief, kann eine frühe Untersuchung besonders sinnvoll sein, wenn der Biss oder das Kieferwachstum auffällt. Das gilt auch bei einer deutlich zunehmenden Fehlstellung. Zu den wichtigen Hinweisen gehören ein Kreuzbiss und ein offener Biss. Stark vorstehende Frontzähne oder Schwierigkeiten beim entspannten Lippenschluss verdienen ebenfalls Aufmerksamkeit. Weitere Gründe sind eine sichtbare Asymmetrie und ein einseitig verzögerter Zahndurchbruch. Fällt Ihrem Kind das Abbeißen oder Kauen schwer, ist eine frühe Abklärung sinnvoll.
Auch nach einem früh verlorenen Milchzahn kann eine Kontrolle sinnvoll sein. Gleiches gilt bei starken Engständen, die die Zahnpflege erschweren. Ein Zahnarzt kann erste Auffälligkeiten erkennen und zur Kieferorthopädie überweisen. Eltern können ihr Kind auch ohne Überweisung direkt kieferorthopädisch beraten lassen.
Eine frühe Abklärung führt nicht automatisch zu einer Zahnspange für Kinder. Je nach Befund reicht eine Verlaufskontrolle oder das Abgewöhnen des Schnullers. Eine Frühbehandlung kann bei ausgewählten Fehlstellungen infrage kommen. In unserer Praxis ordnet Debora Ulman, Fachzahnärztin für Kieferorthopädie, die Zahnstellung zusammen mit dem Biss und dem Wachstum ein. So lässt sich klären, ob Beobachten sinnvoll ist oder ob ein geeignetes Behandlungsfenster genutzt werden sollte.

Mein Fazit: Beobachten, untersuchen und passend entscheiden!

Schiefe Zähne und Zahnlücken können im Zahnwechsel vorübergehende Entwicklungsschritte sein. Der einzelne Zahn erzählt jedoch nur einen Teil der Geschichte. Ob Beobachten genügt, hängt vom individuellen Befund und vom Stand des Zahnwechsels ab.

Bei einer ersten Beratung beurteilen wir Zahnstellung, Biss und Kieferentwicklung gemeinsam. Vorhandene Röntgenbilder oder Gebissmodelle können Sie zum Termin mitbringen.

Weitere diagnostische Schritte richten sich nach dem Befund. Röntgenaufnahmen werden bei einer passenden klinischen Fragestellung erwogen. Am Ende kann eine Verlaufskontrolle stehen. Ebenso möglich sind eine gezielte Frühbehandlung oder eine spätere kieferorthopädische Behandlung.

In unserer Fachzahnarztpraxis für Kieferorthopädie in Plochingen besprechen wir diese Möglichkeiten verständlich mit Ihnen. So können Sie eine Entscheidung treffen, die zur aktuellen Entwicklung Ihres Kindes passt. Buchen Sie jetzt Ihren Beratungstermin!

FAQ: Behandlung von Zahnfehlstellungen bei Kindern

Ja, eine Zahnlücke zwischen den Schneidezähnen kann sich im Zahnwechsel von selbst verkleinern oder schließen. Das geschieht häufig beim Durchbruch weiterer bleibender Zähne. Eine anhaltende oder asymmetrische Lücke sollte zusammen mit dem Zahnwechsel und möglichen Ursachen beurteilt werden.

Leichte Unregelmäßigkeiten können sich während des Zahnwechsels verändern. Besonders die Stellung der unteren Schneidezähne bleibt in Bewegung. Eine vollständige Selbstkorrektur lässt sich jedoch nicht vorhersagen. Entscheidend sind die Platzverhältnisse und die Bisslage.

Ein Teil der Veränderungen kann sich nach dem Abgewöhnen noch bessern. Andere Fehlstellungen bleiben bestehen und brauchen eine fachliche Einordnung. Ein fortbestehender offener Biss oder ein Kreuzbiss ist ein sinnvoller Anlass für eine Kontrolle.

Wir empfehlen häufig eine erste Kontrolle im frühen Grundschulalter. Bei einem Kreuzbiss oder einem offenen Biss ist eine frühere Vorstellung sinnvoll. Das gilt auch für deutlich vorstehende Frontzähne und starken Platzmangel. Der Beratungstermin kann mit einer Empfehlung zum weiteren Beobachten enden.

Literatur

Schmid KM, Kugler R, Nalabothu P, Bosch C, Verna C. The effect of pacifier sucking on orofacial structures: a systematic literature review. Prog Orthod. 2018 Mar 13;19(1):8. doi: 10.1186/s40510-018-0206-4. PMID: 29532184; PMCID: PMC5847634.